Geruch aus dem Abfluss? Schritt-für-Schritt zur sauberen, geruchsfreien Leitung

Simon

Wenn aus Spüle, Dusche oder Bodenablauf ein unangenehmer Kanalgeruch aufsteigt, liegt die Ursache meist näher als gedacht: Biofilm, ein leerer Geruchsverschluss oder kleine Undichtigkeiten. Mit den folgenden Schritten finden Sie die Quelle, reinigen gezielt und sorgen dafür, dass der Geruch nicht wiederkommt.

Schritt 1: Geruchsquelle eingrenzen – bevor Sie reinigen

Geruchsbeseitigung klappt dauerhaft nur, wenn Sie zuerst klären, wo der Geruch entsteht. Häufig wirkt es so, als käme er „aus dem ganzen Bad“, tatsächlich ist es meist ein einzelner Ablauf, der Abwassergerüche in den Raum abgibt.

  • Punktuell testen: Riechen Sie nacheinander an Spüle, Waschbecken, Dusche/Badewanne, Bodenablauf und am Überlauf (z. B. im Waschbecken).
  • Zeitpunkt beachten: Tritt der Geruch vor allem morgens oder nach längerer Abwesenheit auf, deutet das oft auf einen ausgetrockneten Geruchsverschluss hin.
  • Schrank/Unterschrank öffnen: Unter Spülen ist die Luft oft „ehrlicher“ – hier fallen Undichtigkeiten oder Biofilm im Siphon schneller auf.
  • Papier-Test bei Verdacht auf Leck: Legen Sie Küchenpapier unter Siphon und Wandanschluss. Feuchte Stellen nach einigen Stunden sprechen für eine kleine Undichtigkeit.

Wenn Sie den Ursprung eingegrenzt haben, können Sie gezielt vorgehen statt „alles gleichzeitig“ zu behandeln. Das spart Zeit und verhindert, dass Sie den Geruch nur überdecken.

Schritt 2: Siphon, Ablauf und Biofilm mechanisch reinigen

Der häufigste Geruchstreiber ist ein Biofilm: eine schmierige Schicht aus Seifenresten, Hautfetten, Speiseresten und Bakterien. Diese Schicht kann auch dann stinken, wenn das Wasser normal abläuft. Ziel ist daher eine gründliche, möglichst mechanische Reinigung – nicht nur „durchspülen“.

Siphon unter dem Waschbecken oder der Spüle

  1. Stellen Sie einen Eimer unter den Siphon und halten Sie Lappen bereit.
  2. Schrauben Sie die Überwurfmuttern vorsichtig auf und nehmen Sie den Siphon ab.
  3. Reinigen Sie alle Teile mit einer Flaschenbürste und warmem Wasser mit etwas Spülmittel. Achten Sie besonders auf die „Bögen“ und Dichtflächen.
  4. Prüfen Sie die Dichtungen: porös, verformt oder hart = besser ersetzen.
  5. Setzen Sie alles wieder zusammen und lassen Sie mehrere Liter Wasser laufen. Kontrollieren Sie anschließend auf Dichtheit.

Tipp: Ein sauberer Siphon bringt sofort viel – aber der Biofilm sitzt oft auch oberhalb im Ablauf und im Überlaufkanal.

Ablauf, Sieb und Überlauf reinigen

  • Entfernen Sie Siebeinsätze und reinigen Sie diese separat.
  • Schrubben Sie den sichtbaren Ablaufbereich mit einer kleinen Bürste (z. B. alte Zahnbürste oder schmale Reinigungsbürste).
  • Spülen Sie anschließend mit heißem Wasser nach (nicht kochend bei empfindlichen Kunststoffen).
  • Reinigen Sie den Überlauf: Mit einer schmalen Bürste oder Pfeifenreiniger sowie warmem Wasser lassen sich Ablagerungen gut lösen.

Wichtig: Starker Duft bedeutet nicht „sauber“. Wenn der Geruch nach kurzer Zeit zurückkommt, ist meist noch Biofilm vorhanden oder es gibt ein Problem mit dem Geruchsverschluss.

Schritt 3: Geruchsverschluss, Belüftung und Dichtheit prüfen

Wenn nach der Reinigung weiterhin Abwassergeruch auftritt, lohnt der Blick auf die „unsichtbaren“ Ursachen. Entscheidend ist, dass der Wasserverschluss im Siphon intakt bleibt und keine Kanalgase in den Raum gelangen.

Ausgetrockneter Siphon bei selten genutzten Abläufen

Bodenabläufe, Gästebäder oder selten verwendete Duschen trocknen mit der Zeit aus. Dann fehlt die Wasserbarriere, die Gerüche blockiert.

  • Füllen Sie den Ablauf mit Wasser nach (einige Tassen genügen).
  • Bei Bodenabläufen kann ein kleiner „Wartungsrhythmus“ helfen: kurz Wasser nachfüllen, besonders in warmen Monaten.

Undichte Anschlüsse und defekte Dichtungen

Schon minimale Undichtigkeiten am Siphon oder am Wandanschluss können Gerüche aus dem Leitungssystem freisetzen – ohne dass es deutlich tropft.

  • Kontrollieren Sie Überwurfmuttern, Dichtungen und den Wandanschluss auf Sitz und Zustand.
  • Riecht es besonders im Unterschrank, ist eine undichte Verbindung wahrscheinlicher als ein Problem „im Rohr“.

Belüftung/Unterdruck im Leitungssystem

In manchen Gebäuden kann unzureichende Belüftung dazu führen, dass der Wasserverschluss teilweise „leergezogen“ wird. Das äußert sich oft durch wechselnde Geruchsphasen. Hier ist eine saubere Diagnose wichtig, weil eine falsche Maßnahme das Problem verschleiert statt löst.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass die Entlüftung oder eine versteckte Verbindung ursächlich ist, ist eine fachliche Geruchsdiagnose sinnvoll – häufig kombiniert mit einer Kamera-Inspektion durch einen Service für professionelle Abflussreinigung.

Schritt 4: Vorbeugen – damit der Geruch nicht zurückkehrt

Dauerhaft geruchsfreie Abläufe entstehen durch zwei Dinge: weniger Nährboden für Biofilm und ein stabiler Geruchsverschluss. Mit ein paar alltagstauglichen Routinen reduzieren Sie Gerüche deutlich, ohne aggressiv vorzugehen.

  • Sieb nutzen: Haare, Kaffeereste und Speisereste sofort auffangen, statt sie in den Ablauf zu spülen.
  • Fette vermeiden: Pfannenfett und Soßenreste gehören in den Müll, nicht in die Spüle. Sie bilden eine ideale Grundlage für Gerüche.
  • Warm nachspülen: Nach stark „belastenden“ Arbeiten (z. B. Fisch, Milchprodukte) mit warmem Wasser und einem Tropfen Spülmittel nachspülen.
  • Seltene Abläufe „aktiv“ halten: In wenig genutzten Räumen gelegentlich Wasser einlaufen lassen, damit der Wasserverschluss nicht austrocknet.
  • Auf Warnzeichen achten: Wiederkehrender Geruch trotz Reinigung, feuchte Stellen oder modriger Geruch im Unterschrank sind Hinweise, die Sie nicht ignorieren sollten.

Wenn Gerüche hartnäckig bleiben oder immer wieder auftreten, kann eine tieferliegende Ursache vorliegen: Ablagerungen in Leitungsabschnitten, ungünstige Rohrführung oder kleinste Undichtigkeiten. In solchen Fällen lohnt sich die Abflussreinigung vom Fachbetrieb, oft ergänzt durch eine Rohrinspektion, um die Ursache gezielt und ohne unnötige Baustellen zu finden.

FAQ: Häufige Fragen zu Abwassergeruch in Küche und Bad

Warum riecht es trotz gereinigtem Siphon immer noch?

Oft sitzt der Biofilm im Ablaufkörper, im Überlaufkanal oder es gibt eine kleine Undichtigkeit am Wandanschluss. Auch ein ausgetrockneter Geruchsverschluss bei seltenen Abläufen ist häufig der Auslöser.

Hilft ein Duftstein oder Abfluss-Deo als Dauerlösung?

Das überdeckt Gerüche höchstens kurzfristig. Für eine nachhaltige Lösung müssen Ablagerungen entfernt und der Geruchsverschluss funktionsfähig bleiben.

Wie kann ich einen Bodenablauf geruchsfrei halten, wenn er selten genutzt wird?

Füllen Sie regelmäßig etwas Wasser nach, damit der Wasserverschluss nicht austrocknet. Prüfen Sie zusätzlich, ob der Einsatz/der Geruchsverschluss korrekt sitzt und sauber ist.

Sind starke chemische Reiniger eine gute Idee?

Für Geruchsprobleme sind sie oft unnötig und können je nach Material Dichtungen oder Oberflächen belasten. Mechanische Reinigung und gezielte Ursachenprüfung sind meist wirksamer.

Wann sollte ich eine professionelle Rohr- oder Abflussreinigung beauftragen?

Wenn der Geruch trotz gründlicher Reinigung schnell zurückkehrt, wenn Undichtigkeiten vermutet werden oder wenn mehrere Abläufe betroffen sind. Eine fachliche Prüfung mit passender Technik spart oft Zeit und Folgekosten.

Fazit

Gerüche aus dem Ablauf lassen sich meist dauerhaft stoppen, wenn Sie die Quelle sauber eingrenzen, Biofilm konsequent entfernen und Geruchsverschluss sowie Dichtheit prüfen – dann bleibt die Leitung langfristig geruchsfrei.

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