Abfluss verstopft: Wann der Pömpel reicht – und wann die Rohrspirale die bessere Wahl ist
Wenn Wasser in Spüle, Dusche oder Waschbecken nur noch langsam abläuft, stellt sich schnell die Frage nach dem richtigen Werkzeug. Mit einem Pömpel lässt sich vieles in wenigen Minuten lösen, während eine Rohrspirale tiefer sitzende Blockaden erreicht. Entscheidend ist, wo die Verstopfung sitzt, wie hartnäckig sie ist und wie sicher Sie dabei vorgehen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie beide Methoden sauber anwenden und wann professionelle Abflussreinigung sinnvoller ist.
Beide Tools arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien: Der Pömpel erzeugt Druck- und Sogwechsel, die weiche Ablagerungen (z. B. Seifenreste, Haare, Fettfilm) lösen oder verschieben. Die Rohrspirale hingegen „greift“ in die Verstopfung hinein, zerkleinert sie oder zieht sie heraus – ideal, wenn das Problem tiefer im Rohr sitzt oder der Siphon bereits frei ist, der Abfluss aber weiterhin stockt. Für die richtige Entscheidung hilft ein kurzer Check: Riecht es faulig und gurgelt es leicht, ist oft organisches Material in der Nähe des Siphons beteiligt; steht das Wasser sehr hoch und reagiert kaum auf Pumpen, liegt die Blockade häufig fester oder weiter hinten.
Materialien & Werkzeuge
- Gummihandschuhe – Schutz vor Schmutzwasser und Keimen.
- Eimer/Schüssel – zum Auffangen von Wasser beim Öffnen des Siphons.
- Lappen/alte Handtücher – zum Abdichten, Aufwischen und zum Schutz von Oberflächen.
- Pömpel (Saugglocke) – für Druck/Sog bei Verstopfungen nahe am Ablauf.
- Rohrspirale (Handspirale) – um tiefer sitzende Ablagerungen mechanisch zu lösen.
- Taschenlampe – um Ablauf und Anschlussstellen besser zu prüfen.
- Heißes (nicht kochendes) Wasser – zum Nachspülen und um Fettrückstände zu lösen.
- Optional: Schraubendreher/Zange – falls eine Abdeckung demontiert werden muss (je nach Ablauf).
- Optional: Schutzbrille – sinnvoll, wenn Spritzer möglich sind.
Schritt-für-Schritt: So gehen Sie systematisch vor
- Symptome einordnen und vorbereitet arbeiten.
Läuft nur ein Becken schlecht ab oder mehrere Abflüsse? Betrifft es nur die Küche (Fett/Essensreste) oder das Bad (Haare/Seife)? Legen Sie Lappen aus, stellen Sie den Eimer bereit und sorgen Sie für gute Beleuchtung. - Wasserstand anpassen.
Für den Pömpel brauchen Sie Wasser, damit die Gummiglocke dicht sitzt. Steht das Wasser sehr hoch, schöpfen Sie etwas ab. Steht zu wenig Wasser im Becken, lassen Sie wenige Zentimeter einlaufen. - Mit dem Pömpel starten (wenn die Verstopfung „nah“ wirkt).
Setzen Sie die Saugglocke so auf, dass der Ablauf komplett abgedeckt ist. Bei Waschbecken mit Überlauf: Überlauföffnung mit einem nassen Lappen dicht verschließen, sonst verpufft der Druck. Dann 10–20 kräftige Pumpstöße, ohne den Rand zu verlieren. Anschließend kurz prüfen, ob das Wasser abläuft. - Nachspülen und Wirkung testen.
Läuft es besser, spülen Sie mit heißem (nicht kochendem) Wasser nach, um gelöste Reste wegzutransportieren. Wiederholt sich das Problem nach kurzer Zeit, sitzt die Blockade oft tiefer oder es liegt eine Ablagerungsschicht im Rohr vor. - Siphon prüfen, bevor Sie „tiefer“ gehen.
Wenn Sie sich das zutrauen: Stellen Sie den Eimer unter den Siphon, lösen Sie die Überwurfmuttern vorsichtig und reinigen Sie den Siphon. Häufig finden sich dort Haare, Fettpfropfen oder Fremdkörper. Danach wieder dicht montieren und testen. Wenn der Siphon sauber ist und es dennoch stockt, ist die Rohrspirale der nächste Schritt. - Rohrspirale richtig einführen (kontrolliert, ohne Gewalt).
Führen Sie die Spirale in den Ablauf bzw. nach dem Siphon in die Leitung ein (je nach Zugang). Drehen Sie dabei am Griff, damit sich die Spitze „einschraubt“ und nicht an Kanten hängenbleibt. Sie spüren meist einen Widerstand, wenn Sie an die Verstopfung kommen. - Blockade lösen: drehen, zurückziehen, wieder vor.
Arbeiten Sie in kurzen Sequenzen: leicht vorschieben, drehen, minimal zurückziehen. Ziel ist, das Material zu zerkleinern oder herauszuholen, nicht das Rohr zu „rammen“. Ziehen Sie die Spirale zwischendurch heraus und entfernen Sie Anhaftungen hygienisch im Eimer. - Gründlich nachspülen und Dichtheit prüfen.
Spülen Sie anschließend mehrere Minuten mit warmem Wasser nach. Prüfen Sie bei geöffnetem/neu montiertem Siphon alle Verbindungen auf Dichtheit. Wenn das Wasser jetzt frei abläuft, ist die Ursache meist beseitigt. - Wenn es nicht besser wird: rechtzeitig stoppen.
Bleibt der Abfluss trotz korrekter Anwendung verstopft oder kommt Wasser an anderer Stelle hoch, sollten Sie nicht weiter „herumprobieren“. In solchen Fällen ist eine professionelle Rohrreinigung bzw. ein Rohrreinigungsservice sinnvoll, um Schäden zu vermeiden und die Leitung fachgerecht zu prüfen (bei Bedarf auch mit Kamerainspektion).
Praxisregel zur Werkzeugwahl: Greifen Sie zum Pömpel, wenn die Verstopfung frisch ist, das Wasser noch (wenn auch langsam) abläuft oder Sie vermuten, dass weiche Ablagerungen direkt am Ablauf sitzen. Nutzen Sie die Rohrspirale, wenn der Siphon sauber ist, der Abfluss aber weiterhin nicht frei wird, oder wenn wiederkehrende Blockaden auf tiefer liegende Ablagerungen hindeuten. Bei Unsicherheit spart ein kurzer Kontakt mit einem Abfluss-Notdienst oder einer Rohrreinigung häufig Zeit und Folgekosten.
Häufige Fehler (und wie Sie sie vermeiden)
- Undichter Sitz beim Pömpeln – Ablauf vollständig abdecken, Überlauf abdichten, genug Wasser im Becken.
- Zu viel Kraft mit der Spirale – lieber drehen und „arbeiten“ statt stoßen; Gewalt kann Dichtungen und Rohrverbindungen belasten.
- Falscher Pömpel-Typ – für Waschbecken eignen sich oft kleinere Glocken besser, für WC spezielle Modelle mit Flansch.
- Siphon wird übersprungen – erst die naheliegende, leicht zugängliche Stelle prüfen, bevor Sie tief ins Rohr gehen.
- Zu kurzes Nachspülen – gelöste Reste müssen wegtransportiert werden; sonst setzt es sich schnell wieder zu.
- Warnsignale ignorieren – wiederkehrende Verstopfungen, Rückstau oder mehrere betroffene Abflüsse: besser fachlich prüfen lassen (z. B. durch Rohrreinigungsservice).
Fazit
Mit dem Pömpel lösen Sie viele alltägliche Verstopfungen schnell und schonend, während die Rohrspirale dann punktet, wenn die Blockade tiefer sitzt oder mechanisch „gegriffen“ werden muss. Arbeiten Sie systematisch, ohne Gewalt, und spülen Sie konsequent nach. Wenn der Abfluss trotz sauberer Schritte nicht frei wird oder das Problem wiederkehrt, ist eine professionelle Abflussreinigung die zuverlässigste Option, um Ursache und Leitung dauerhaft in Ordnung zu bringen.
Kommentare
Ich hab einmal mit zu viel Kraft an so einer Handspirale rumgedrückt… Ergebnis: danach war zwar die Verstopfung kurz weg, aber irgendeine Verbindung am Siphon hat minimal gesuppt. Seitdem: drehen, in kleinen Sequenzen arbeiten und nicht „rammen“ – genauso wie hier beschrieben. Und warm nachspülen ist echt wichtig, sonst sitzt der Kram gefühlt am nächsten Tag wieder. Danke für die klare Fehlerliste, sowas liest man sonst selten so konkret.
Kleiner Einwurf: Dass ihr „heiß, aber nicht kochend“ schreibt, ist top. Ich hab früher immer kochendes Wasser reingekippt und mich gewundert, warum’s nicht automatisch alles löst. Und das mit dem fauligen Geruch + leichtem Gurgeln als Hinweis auf organisches Material nahe am Siphon passt bei mir ziemlich gut. Frage an die Runde: Wie oft spült ihr nach dem Pömpeln wirklich „mehrere Minuten“ nach, wie hier empfohlen? Ich bin da bisher zu ungeduldig gewesen.